Interview mit Karoline Fesser

Portraitfoto Karoline FesserIm Gespräch mit Karoline Fesser.

Die Kölner Designerin Karoline Fesser stellen wir Euch heute im Interview etwas näher vor. Mit der „Woonling Collection“ hat sie ein tolles Möbelsystem entworfen, das variabel und hübsch zugleich ist. Viele weitere tolle Möbel und Produkte hat sie entworfen und wir stellen Ihr ein paar Fragen zu Ihren Arbeiten und Ihrem Leben.

Weitere Informationen zur Designerin Karoline Fesser findet Ihr auch auf ihrer Webseite. Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen des Interviews!

Hallo Frau Fesser, es freut uns, dass Sie sich etwas Zeit nehmen konnten für unser Interview. Vielleicht möchten Sie sich kurz unseren Lesern vorstellen.

Karoline Fesser: Ich heiße Karoline Fesser und bin Produktdesignerin. In meiner Arbeit liegt mein Focus auf Produkten des Alltags. Dabei interessiert mich vor allem die Relation aus den materiellen Komponenten wie Form, Material und Herstellungsart und dem immateriellen Wert von Produkten, der im Alltag entsteht. Neben dem Design selbst schreibe ich auch Artikel über Design.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?

Karoline Fesser: Ich habe Produktdesign an der FH Aachen studiert. Während des Studiums habe ich zwei Praktika im Möbel- und Ausstellungsdesign gemacht und eine Zeit lang im Bereich Messestandgestaltung gearbeitet. Mein Diplom war eine Recherche der Beziehung zischen Mensch, Raum und Objekt; das Resultat ein Möbelsystem, die Woonling Collection. Ich bin danach nach Basel gegangen und habe bei der Zeitschrift Form geschrieben und später für die Designerin Ineke Hans in Holland gearbeitet. 2012 habe ich mein eigenes Büro gegründet und gestalte seitdem Möbel und Produkte.
Portrait Karoline Fesser
Wie sind Sie zum Produktdesign gekommen?

Karoline Fesser: Durch den Drang, etwas zu machen, das bleibt. Ich denke, es gibt die Konsumenten, die Dinge sehen und sich daran erfreuen und es gibt die Produzenten, die die Dinge wahrnehmen und sie hinterfragen. Ich bin ein Produzent.

Als Sie Klein waren, wollten Sie da schon immer Designerin werden?

Karoline Fesser: Nein, Design an sich war in meiner Kindheit kein Thema. Eigene Dinge zu machen aber schon. Ich wollte erst Schriftstellerin, dann Modedesignerin, dann Architektin werden. Jetzt bin ich Produktdesignerin, weil Produktdesign in meinen Augen die spannendsten Wege von einer Idee im Kopf zu einer greifbaren Sache bietet.

Von was und wem lassen Sie sich in Ihrer tagtäglichen Arbeit inspirieren?

Karoline Fesser: Alles kann inspirierend sein, wenn es in irgendeiner Weise interessant ist. Erst bei Interesse nimmt man ja überhaupt etwas wahr. Spannende Themen finde ich zum Beispiel in Gesprächen, in der Benutzung von Dingen, in Materialien und Produktionsprozessen. Wichtig ist vor allem, Einflüsse zu filtern und sich auf ein Thema zu konzentrieren.

Haben Sie ein Lieblings-Designstück? Welches wäre das?

Karoline Fesser: Die Butterdose von Wilhelm Wagenfeld für WMF ist ein Lieblingsstück für mich. Wagenfeld hat sie in den 50ern entworfen. Sie besteht aus einem Edelstahlboden, der an zwei Enden zu Griffen verläuft und einer Kunststoffhaube. An den Griffen kann man die Dose anheben und weiterreichen. Die Butterdose wird heute noch produziert. Ich finde, sie ist ein gutes Beispiel für ganzheitliches Design, indem die Benutzung, Herstellung und Ästhetik ineinander übergreifen.

Wie stark beeinflusst die Stadt in der Sie Leben Ihre eigene Arbeit?

Karoline Fesser: Die Nähe zu Köln bedeutet Mobilität, Nähe zum Handwerk und zur Industrie, sowie gut ausgestattete Geschäfte, in denen man Material kaufen kann. Außerdem kann man viele interessante Menschen kennenlernen. Wir haben die Möbelmesse imm cologne und parallel dazu die Designpassagen, die man für eigene Ausstellungen nutzen kann. Dieses Jahr habe ich zum Beispiel mit Kai Linke und Thomas Schnur die Ausstellung „Objects for the neighbour“ initiiert, bei der wir befreundete Designer eingeladen haben, Objekte zum Thema Nachbarschaft zu gestalten. Nächstes Jahr wird es wieder eine Ausstellung geben.

Wir sind besonders auf Ihr Projekt „Woonling Collection“ und „Sample Avenue“ aufmerksam geworden. Erzähl uns doch ein paar Details darüber.
Woonling Collection
Karoline Fesser: Die Woonling Collection ist ein Möbelsystem. Dieses geht von einem Element aus, das durch Multiplikation und Verknüpfung zu verschiedenen Sitzkonstellationen zusammengebaut werden kann. Hocker, Sessel, Sofa, längeres Sofa – all diese Möbeltypen kann man durch gleiche Elemente und entsprechende Winkel und Verbinder zusammensetzen.
Sample Avenue
Die Sample Avenue ist eine Reihe von kleinen Glasvitrinen. Ich bin von einer einfachen Form ausgegangen, die geschnitten, zerlegt und wieder aufgebaut wird. Durch das Teilen entstehen aus einer Form drei Glaskomponenten. Diese werden aufeinandergestapelt und durch Holzschalen separiert. Sie bilden eine kleine Architektur zum Aufbewahren, Zeigen und Schützen von Dingen.

Wie sieht Ihre Wohnung aus: Wohnen Sie mit Ihren eigenen Produkten?

Karoline Fesser: Mein Büro ist zuhause, deshalb stehen bei mir auch ein paar Prototypen und Modelle. Wenn ich neue Prototypen mache, habe ich aber auch kein Problem, die alten in eine Kiste zu packen oder zu verkaufen. Die ganze Einrichtung ist eher sporadisch. Es gibt kein Möbel, das mir besonders wichtig ist, außer meinem großen Schreibtisch. Das mache ich aber ganz bewusst, denn gerade wenn die Dinge nicht perfekt sind, bekommt man Ideen für Neues.

Wie sind Ihre weiteren beruflichen Pläne?

Karoline Fesser: Ich möchte Produkte für die Serie gestalten und meine neuen Entwürfe mit Herstellern umsetzen, die meine Werte teilen.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft.

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