Interview mit Miriam Aust und Sebastian Amelung

Portrait Miriam AmelungPortrait Sebastian Amelung
aust & amelung aus Kassel.
Nachdem wir einen Artikel über die „like paper Lampe“ geschrieben haben, sind wir neugierig darauf geworden, wer sich hinter dieser „Betonlampe“ steckt. Die beiden Produktdesigner Miriam Aust und Sebastian Amelung waren dann so freundlich uns ein paar Fragen zu beantworten. Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen.

Hallo Miriam Aust und Sebastian Amelung. Es freut uns, dass Sie sich etwas Zeit nehmen konnten für unser Interview. Stellen Sie sich doch bitte kurz unseren Lesern vor.

Aust & Amelung: Wir arbeiten und leben gemeinsam in Kassel. Im eigenen Studio, „aust & amelung“, entwerfen und entwickeln wir Möbel, Interieur und Ausstellungsarchitektur.

Wie sind Sie zum Produktdesign gekommen und wer oder was inspiriert Sie?

Aust & Amelung: Wir interessieren uns für Umgänge im alltäglichen Leben. Das ist ein Interesse, dem man im Möbeldesign sehr gut nachgehen kann. Schließlich geht es um die Gestalt der Dinge, die wir unmittelbar um uns haben und sie erzählen unheimlich viel über den Menschen und verschiedene Kulturen. Das ist wohl das was inspiriert.
Das Thema des individuellen Produktes in der Serie spielt in unseren Arbeit immer wieder auf verschiedene Weise eine Rolle und gibt damit eine Antwort auf die Sehnsucht des Menschen nach Individualität, beispielsweise durch das Einsetzten von Bestehendem, das Miteinbeziehen des Nutzers selbst oder durch das Beeinflussen des Herstellungsprozesses.

So entstehen etwa Bücherregale, die mittels eines Computerskriptes nach festgelegter Systematik um alte Bücher konstruiert werden oder bepflanzbare Möbel, die den Nutzer, als Gärtner zum eigentlichen Gestalter machen.
Im Projekt „like paper“ sind wir es selber, als Gestalter, die während des Herstellungs-prozesses jedes Objekt zum Unikat werden lassen.

Was begeistert Sie am Produktdesign?

Aust & Amelung: Probleme aufzudecken und dann an der perfekten Lösung zu arbeiten. Es geht mir nicht um Styling und überhaupt nicht um Autorendesign oder Design Art. Gutes Design macht etwas besser als alle vorhergehenden Dinge. Ansonsten ist es überflüssig. Die echten Probleme von Produkten zu finden geht nur über die Betrachtung des Kontextes und kann manchmal ganz schön kniffelig sein. Aber es gibt nichts befriedigenderes als den Moment, wenn der Knoten platzt.

Wer sind Ihre Lieblingskünstler und wieso? Haben Sie ein Lieblingsprodukt, wenn ja welches?

Aust & Amelung: Es fällt bei beiden Fragen schwer sich auf etwas festzulegen. Im Grunde gibt es immer wieder Gestalter, deren Auseinandersetzung uns begeistert, uns zum Lachen, oder Diskutieren bringen und es wäre sehr schade, das auf eine top 10 zu reduzieren.
Letzte Woche haben wir uns Tischbeine von Jakob Schenk gekauft und sind begeistert. Er beschreibt sein Produkt-„Tick“ als „universelles Tischfußsystem, das an verschiedenartigsten Platten und Materialien befestigt werden kann.“ Im Grunde ein ganz klares Produkt, das am Ende dann doch sehr wandelbar bleibt.

Wir sind besonders auf Ihre „like paper? Lampe aufmerksam geworden. Erzählen Sie uns doch etwas darüber? Was haben Sie sich genau dabei gedacht?

Aust & Amelung: Den Grundstein für das Projekt „like paper“ hat Sebastian während seiner Diplomarbeit gesetzt. Er beschäftigte sich mit Beton und der Suche nach neuen Herstellungsverfahren für das Material. Das Ziel war es, Methoden zu entwickeln, die dem groben Kunststein ein neues Gesicht geben. Dabei entstanden erste sehr dünnwandige, filigrane Holkörper aus Beton.
Seit letztem Sommer arbeiten wir gemeinsam, „like paper“ ist unser erstes Projekt.
Wir wollten das Verfahren und die von Sebastian gebauten Maschinen einsetzten um etwas entstehen zu lassen mit dem der Betrachter Leichtigkeit, Filigranität und Verformbarkeit verbindet.
Die Betonleuchten der Serie like paper imitieren das, was man sich unter Papiergefalteten Lampenschirmen vorstellt. Sowohl durch ihre Erscheinung als auch durch ihre Haptik geben sie dem Material Beton ein neues Gesicht.

Jede der Leuchten ist ein Unikat, das durch seine Verformung entsteht und lebt. Während manche Leuchten wie gewohnt von der Decke herabhängen und nach unten strahlen, liegen andere ?erschöpft? auf dem Tisch, dem Schrank oder dem Boden auf und leuchten diffus in ungewohnte Richtungen.
like paper lampe
Haben Sie zur Zeit noch weitere Projekte, an denen Sie arbeiten?

Aust & Amelung: In der letzten Zeit haben wir an unserem neuen Projekt „a book box“ gearbeitet.
Eigentlich ist es eine Überarbeitung eines alten Entwurfs von Miriam.
Dabei geht es um alte Bücher, die mit den Jahren für ihre Besitzer kostbar geworden sind und doch immer seltener gelesen werden.
Wir wollten diesen Büchern eine neue Präsenz und Funktion im Wohnraum geben.
Dabei ist eine kleine Box entstanden, die das Buch an der Wand umrahmt und einen Stauraum bildet. Das Buch verdeckt aufgeklappt das Kasteninnere- schließt man das Buch, so öffnet man den Kasten.
So wird es zur Schiebetür für einen Stauraum, ein Geheimfach.
Entscheidet man sich doch noch einmal, einen Blick in das Buch zu werfen, lässt sich der Kasten problemlos von seiner Aufhängung heben. Gelesen wird nun im Kasten.
Es war uns besonders wichtig, dass wir die Möglichkeit bewahren im Buch zu lesen.
Natürlich entstehen auch hier Unikate. Die Idee ist es, dass der Kunde über die Gestaltung entscheidet indem er uns ein Buch gibt zu dem wir den Kasten fertigen.

Wie sind Ihre weiteren beruflichen, künstlerischen Pläne?

Aust & Amelung: Das Studio aust & amelung ist im Sommer 2012 erst ein Jahr alt, es sollen noch weitere Projekte folgen.

aust & amelung
Atelier im Hinterhaus
Kohlenstraße 20
34121 Kassel, Germany
+ 49(0)56131741035
+ 49(0)1731049125

www.aust-amelung.com
info@aust-amelung.com

Vielen Dank für das interview und alles Gute für die Zukunft.

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